Maßnahmenevaluation

Begleitforschung

Insekten sind die artenreichste Tiergruppe der Welt und auch bei uns sind mehrere zehntausend Arten bekannt. Ihre Vielfalt und auch ihr Image haben vermutlich dazu geführt, dass es zurzeit nur wenige umfassende Studien, vor allem für besonders artenreiche und unauffällige, aber nicht weniger wertvolle Gruppen gibt. Um Erkenntnisse zum allgemeinen Zustand der Insektendiversität in Luxemburg, den Auswirkungen insektenfördernder Maßnahmen oder der Bewirtschaftungsintensität zu erlangen, überwachen die Naturparke ihre Arbeit in den Mitgliedsgemeinden durch Begleitforschung.

Die Ergebnisse sollen dabei helfen, in Zukunft Maßnahmen umzusetzen, die wirklich einen Unterschied machen, zu erkennen wo man sie einsetzt und was man vielleicht anders machen muss. Nur wenn wir handeln und aus unseren Fehlern lernen, können wir dem Insektensterben etwas entgegensetzen. Monitoring und Begleitforschung helfen dabei.

Insekten für die Wissenschaft

Die An- oder Abwesenheit einer Art sagt viel über einen Lebensraum und seine Umgebung aus. Genau das machen sich die Naturparke zu Nutze und betreiben deshalb zu Begleitforschungszwecken Malaise- und Barberfallen. Die Fallen haben den Vorteil, dass sie fangen was da ist, keine Pause machen und gut vergleichbar sind, ohne Insekten aktiv anzulocken. Wussten Sie eigentlich, dass mehr als 90% der heimischen Insektenfauna flugaktiv ist?

Um eine Vielzahl dieser Insektenarten zu erfassen, ist die Verwendung von Malaisefallen derzeit das Mittel der Wahl. Barberfallen fangen hingegen über den Boden laufende Arten. Mit dieser Fallenkombination kann also der größte Teil der vorkommenden Insektenfauna abgedeckt werden. Der Effekt auf Insektenpopulationen insgesamt bleibt dabei gering. Eine Malaisefalle fängt über eine Saison in der Regel etwa so viele Insekten wie ein Jungvogel im Sommer frisst, oder anders ausgedrückt: pro Tag die Menge, die eine einzelne Spitzmaus in derselben Zeit zu sich nimmt – eine überschaubare Menge.

Léopold Reichling Studie

Der luxemburgische Naturalist Léopold Reichling hat vor mehr als 50 Jahren Erstaunliches geleistet, indem er in großen Teilen Luxemburgs Pflanzen und Insekten kartierte. Dazu ging er genau festgelegte Wege ab, schrieb auf, welche Arten dort vorkamen, zählte ihre Individuen und schuf damit eine Momentaufnahme von unschätzbarem Wert. Diese Arbeit wollen die Naturparke zusammen mit dem MNHN wiederholen.

Warum? Insekten und Pflanzen reagieren zum Teil äußerst sensibel auf Umweltveränderungen. Fehlt beispielsweise die Futterpflanze einer Schmetterlingsraupe, wird diese Art nicht vorkommen. Wird eine Wiese gedüngt oder nicht, vernässt oder trocken gelegt oder wird es einfach nur wärmer, verändert sich die Artengemeinschaft.

Wir können also verstehen, warum manche Arten noch, wieder, nicht mehr, oder überhaupt vorkommen. Die Ergebnisse dieser Untersuchung sollen dabei helfen herauszufinden, wie die Situation heute ist, was sich in den letzten Jahrzehnten verändert hat und ergänzen darüber hinaus den Fallenbetrieb.

Wenn aus Buchstaben Arten werden – DNA-Barcoding

Fortschritte in der Genetik haben die Bestimmung von Lebewesen revolutioniert. Während die Bestimmung von Insekten anhand äußerer Merkmale sehr schwierig und zeitaufwändig ist, wird mittlerweile häufig das Erbgut, also ihre DNA, untersucht. Beim sogenannten Metabarcoding können Mischproben, die unterschiedlich viele Arten und Individuen enthalten, untersucht und dabei festgestellt werden, welche Arten in der Probe waren. Das geht schnell, ist ziemlich genau und bei unübersichtlichen Proben, wie den Fängen einer Malaisefalle, eine große Hilfe. Das Ganze funktioniert, indem ein ganz bestimmter Abschnitt des Erbgutes durch Sequenzierung lesbar gemacht wird.

Weil dieser Abschnitt sich von Art zu Art unterscheidet, kann man durch Abgleich mit einer Datenbank feststellen, welche Arten in der Probe waren. In Kooperation mit dem Musée national d’histoire naturelle (MNHN) werden die fürs Projekt gesammelten Proben mit genau dieser Methode untersucht.